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Schreibblockaden zubereiten – Das Kochbuch

Die besten Rezepte: vegan, glutenfrei und paleo

In französischen Küchen herrscht ein harscher Ton. Nun ja, zumindest habe ich das gehört (als ehemaliger Lerntherapeut bin ich weit entfernt von der Haute Cuisine). Dennoch zieht der Trend, als Nicht-Koch Kochbücher zu schreiben, auch an mir nicht vorbei. Daher präsentiere ich stolz: Schreibblockaden zubereiten – Das Kochbuch. 

Wir beginnen im Stil der guten Küchen.

(Stell Dir einen Kerl mit Messer in der Hand, hochrotem Kopf und wutverzerrtem Gesicht vor.)

Schreib oder lass es bleiben 

Die leere Seite starrt Dich an. Du starrst zurück. Du verlierst. Weiterstarren ist keine Option. 

Was gibt’s für Alternativen? Ich sehe zwei. 

Variante A: Du klappst den Laptop zu und gehst nach draußen. Räumlicher Abstand schafft Distanz. Distanz senkt mit Schreiben verbundenen Stress. 

Stress mag zurückkommen, wenn Du Dich das nächste Mal ransetzt. Aber darum geht es jetzt nicht. 

Variante B: Du schreibst. 

Aber ich hab doch eine… 

Nein. Du hast keine Schreibblockade. Schreiben ist nicht das Problem. Du kannst einen Stift über Papier bewegen oder Deine Finger auf Tasten drücken. Du kannst Einkaufslisten schreiben oder Namen Deiner Freunde notieren. 

Du blockierst Dich, etwas Bestimmtes zu schreiben – etwas, das Du nicht genug willst, nicht glaubst zu können oder aus Bequemlichkeit vor Dir herschiebst. 

Du erlebst Interessenskonflikte – Konflikte, die Emotionen und Verstand rauben.

Schreiben, selbst wenn es sich blöd anfühlt, führt zu einer von zwei Folgen: Du bemerkst, dass alles gar nicht so schlimm ist und überwindest Deine Blockade. Oder Du verzettelst Dich vollständig, bis nichts mehr geht. 

Dann verbleibt Variante A. Alles Andere bedeutet aufzugeben, bevor Du begonnen hast. 

Schreibblockaden? Es geht nicht ums Schreiben 

(Langsam beruhigt er sich etwas und wird großväterlich.)

Zugegeben ist das nicht die ganze Wahrheit. Es gibt noch Variante C: Du überwindest Themen, die hinter Deiner Blockade stecken. 

Nochmal: Zu schreiben ist nicht das Problem, auch wenn es sich danach anfühlt. Du kannst Buchstaben produzieren, so viele Du willst. Das Problem ist zu schreiben, was Du vorhast – und zwar so gut und so schnell Du es Erwartest. 

Es geht um Erwartungen (von Dir und Anderen), um Kompetenzen und Deinen Glauben an sie, um Wünsche, Konflikte und Strategien.

Im besten Fall löst Du jedes dieser Themen und begegnest dem weißen Blatt frei und vorfreudig. Im schlechtesten Fall vermengst Du alles zu einer überwältigend übelriechenden Masse.

Das Grundrezept: Schreibblockaden erzeugen 

Schreibblockaden zu erzeugen ist leicht. Hier ist das Grundrezept.

Zu Beginn brauchst Du etwas, das Du erreichen willst: ein gutes Buch, Geld, Anerkennung, Stolz, Freiheit Dich kreativ auszudrücken und andere Dinge, die mit dem Autorenstand (gefühlt) einhergehen. Verquirle alles miteinander, bis ein großes Gefühl der Hoffnung entsteht. 

Dann füge Zweifel hinzu: Kann ich das? Bin ich gut genug? Verdiene ich Erfolg und die Erfüllung meiner Wünsche? Hebe ihn unter die Wunschmasse – je mehr Zweifel, desto besser. 

Fülle alles in ein verschließbares Gefäß. Platziere es an einem Ort, dem Du täglich begegnest und lass es gären. Wichtig: Handle währenddessen weder in Bezug auf Deine Wünsche, noch auf Deine Zweifel. Baut sich nach einer Weile so viel Druck auf, dass Dein Gefäß beinahe platzt, weißt Du, dass es gelungen ist.

Klapp Deinen Laptop auf. Schraub den Deckel ab und gönn Dir einen richtig großen Löffel. Mmh, Erwartungen zu unerreichbarer Größe aufgebläht. Prickelndes Zweifeln, das jeden Gedanken durchzieht. Köstlich. 

Jetzt ist Dein Moment: Lass einen weiteren Löffel im Mund zergehen, während Du wahlweise den blinkenden Cursor oder das ungefüllte Weiß zwischen den Zeilen fixierst. Et voila. 

Die Würze der Profis

Erinnerst Du Dich an die Empfehlung, die Suppe an einem sichtbaren Ort zu platzieren? Hier ist der Grund: Profis laufen nicht bloß daran vorbei. Jedes Mal, wenn sie der Masse aus Erwartungen und Zweifeln begegnen, bauen sie Ersteres in Gedanken auf und sehen zu, wie das Zweite sie zerstört. 

Stell Dir vor, Du baust eine wunderschöne Sandburg. Hier ein Türmchen, dort eine Mauer, vielleicht sogar kleines Fenster oder zwei. Herrlich. Wo die Prinzessin wohl wohnen würde? Dann stampft ein dickes Kind vorbei, zeigt Dir den Mittelfinger und wirft sich wutschnaubend hinein. Alles kaputt. 

Sandburg bauen und zerstören, Sandburg bauen und zerstören, …  Das ergibt besondere Würze. Erwartungen steigen und werden von Ängsten überrumpelt, auf und ab, wie Wellen am Strand.

Aufkochen und wieder abkühlen. Damit dickst Du die Masse ein, wie eine gute Sauce. Übrig bleibt zähflüssiger Stress. Davon ein guter Schluck und Deine Geschmacksknospen explodieren: Das Auf und Ab vereint sich in einem alles überschattenden Feuerwerk. Dein Hirn läuft auf hochtouren und scheint gleichzeitig vollkommen leer – kein Denken, kein Schreiben, nichts. Bon Appetit.

Die Zutaten 

Das schmeckt Dir nicht? Mmh. Na gut. Dann versuchen wir ein anderes Rezept.

Lass uns die wichtigsten Zutaten anschauen.

Dein Kochtraum

Beginnen wir mit einer praktischen Frage: Wofür kochst Du?

Willst Du Dir Gutes gönnen? Andere beglücken? Für schlechte Zeiten vorsorgen? Dich kreativ ausleben? Dir ein berufliches Standbein aufbauen?

Das ist gut. Je mehr Positives Du einbringst, desto motivierter wirst Du. Wunschvorstellungen treiben an, helfen tägliche Arbeit zu verrichten, bauen Erwartungen auf, lassen Wünsche Realität werden. Schwierig wird es, wenn solchen Erwartungen Zweifel gegenüberstehen. 

Die Realität

Hungrig träumst Du von einem Fünf-Gänge-Menü. Dann schaust Du in die Schränke. Ein Topf, eine Pfanne, Nudeln und Ketchup. Nun ja. Du könntest alles verdrängen und in die Traumwelt zurückkehren, doch Träume alleine machen leider nicht satt. 

Vorratsschränke zu durchsuchen ergibt realistische Bilder. Du siehst sämtliche Zutaten und kannst Dir Kombinationen ausdenken – es sei denn, etwas hindert Dich daran.

Wenn Dir die Hände gebunden sind

Du stehst vor dem Herd und die Zutaten bereit. Du greifst nach der Schüssel und der Großpackung Erwartungen. Plötzlich packt etwas Dein Handgelenk. Dann Dein Anderes. Dein linker Arm wird nach links gezogen, Dein rechter Arm nach rechts. So stehst Du da, bewegungsunfähig. Mist.

Wer würde so etwas tun? Du schaust nach links und siehst einen fröhlichen Clown. Du schaust nach rechts und siehst ein gruseliges Gespenst. 

Als Kind hast Du verkleiden gespielt, oder? Eine Freundin setzt eine Maske auf. Eine Andere zieht ein Bettlaken über den Kopf. Interessenkonflikte funktionieren ähnlich. Sie verkleiden sich und ziehen Dich in unterschiedliche Richtungen: Du willst einerseits einen großartigen Roman schreiben, zweifelst andererseits, ob das gelingt. Du würdest einserseits gern Autor sein, andererseits stresst Dich das Schreiben (und geschrieben zu haben ist bedeutend schöner). Du willst die Erwartungen Anderer erfüllen aber eigentlich stehen sie Deinen eigenen entgegen. Du magst das Schreiben, aber findest Deine Texte doof.

Solche Konflikte spielen Tauziehen mit Dir und binden Deine Hände. Die Folge: Du verwendest sämtliche Energie darauf, dem Zug zu widerstehen, während der Strich auf der leeren Seite vor sich hin blinkt. Von außen scheint, es, als säßest Du bloß da. Innerlich vollbringst Du Höchstleistungen.

Entspannter wird’s, wenn Du einen Moment innehältst (Erinnerst Du Dich an Variante A? Abstand hilft.) und schaust, worum es überhaupt geht. Dreh Dich zum Clown und frag ihn, was er will. Mach das Gleiche mit dem Gespenst. Was geschehen wird, ist Folgendes: Du wirst herausfinden, dass es sich um Freundinnen handelt. Eine ist als Clown geschminkt. Die Andere hat sich ein Laken übergeworfen. Und das Schöne ist, beide wollen Dein Bestes. 

Fragst Du nach dem Wofür, findest Du übereinstimmende Interessen. Sie wollen, dass Du Deine Ziele verfolgst, Dich auslebst und Freuden nachgehst. Sie wollen Dich vor dem Scheitern schützen, davor unnötige Energie zu investieren, Dich abzuwerten oder Deine eigenen Wünsche zu vernachlässigen. 

Alle wollen, dass es Dir gut geht. In Konflikten geht es nur um das Wie. Diese Einsicht befreit Deine Hände und enttarnt Verkleidete als Freunde. Das ermöglicht Dein Rezept zu finden, um zu kochen und zu genießen, was immer Du willst.

Was nicht funktioniert: Essen kochen, das Du nicht kochst

Die Alternative ist, den Schneebesen zwischen die Zähne zu klemmen und Deinen Kopf schwungvoll hin- und herzuwerfen. Neben einem Schleudertrauma, bewirkst Du damit vor Allem eins: Das nächste Mal überlegst Du Dir gut, ob Du überhaupt anfängst. Denn Du weißt, mit gebundenen Händen geht es kaum voran. 

Dann verbleiben zwei Optionen: Du füllst alles fein säuberlich zurück in die Dose und lässt es gären, bis sie platzt. Oder Du kämpfst Dich durch und nährst mit jeder Minute Deine Zweifel. Denn wer so hart arbeitet, für so kleine Ergebnisse, der wird nicht besonders talentiert sein. Beides blöd. 

Egal, ob Du Deine Wünsche verleugnest oder Dich zu Frustrierendem zwingst, Dein Hunger lässt nicht nach. So steigt der Wunsch nach Selbstgekochtem, gemeinsam mit der Abneigung, die Küche zu betreten. Eine Pattsituation.

Was mit Erfahrung funktioniert: Planlos drauf los

Erfahrene Köche kombinieren Zutaten scheinbar willkürlich und am Ende steht ein köstliches Mahl. Warum Du das nicht auch versuchen solltest? Weil Du keinen Plan hast. 

Ich weiß, Stephen King schreibt einfach drauf los und der Erfolg gibt ihm Recht. Wahrscheinlich hat er so viel geschrieben, dass er Strukturen und Techniken guter Geschichten automatisch folgt. Und Du?

Mir geht es nicht darum, Dir etwas auszureden. Wenn es für Dich funktioniert, funktioniert es für Dich. Aber vermutlich liest Du diese Zeilen nicht, wenn es für Dich funktioniert. 

Deine Kochmütze sitzt. Die Schürze strahlt weiß. Die Zutaten liegen bereit. Aber was soll’s werden? Egal, erstmal anfangen. Zwiebeln würfeln, Öl in die Pfanne, Gewürzgurken dazu und einen großen Löffel Erdbeermarmelade… Mist. Nochmal von vorn. Pfanne abwaschen, Zwiebeln würfeln, Öl in die Pfanne, Gewürz…, ähm Knoblauch dazu und mit einem ordentlichen Schluck Cola ablöschen… wieder nichts. 

Einem Rezept zu folgen ist erfolgversprechender, besonders zu Beginn. Werd Dir klar darüber, was Du erschaffen willst und erstelle einen Plan – am besten einen, der sich bewährt hat. Dann setze ihn um. 

Das ist keine Einladung, eins-zu-eins zu wiederholen, was Andere getan haben. (Was bei Kochrezepten funktioniert, wird beim Schreiben zum Problem.) Dies ist eine Empfehlung, Dein Werk auf eine solide Basis zu stellen und von dieser aus zu testen, zu variieren und sie an Deine Bedürfnisse anzupassen. 

Natürlich kannst Du auch Texte schreiben, um Ideen zu explorieren, fernab von Strukturen und Vorgaben. Aber wenn Du beginnst etwas umzusetzen, lohnt es sich eine Idee zu haben, wohin es gehen soll. 

Ansonsten läufst Du Gefahr Gewürzgurken mit Marmelade zu kombinieren, nur um herauszufinden, dass Du eigentlich einen Kuchen backen willst. 

Was niemals funktioniert: Kochen und ab in den Müll

Ein letzter Hinweis: Folgst Du einer Idee, gib Dir die Chance herauszufinden, ob sie funktioniert. 

Erneut stehst du am Herd. Diesmal hast Du einen Plan: Tomatensauce. Zwiebeln würfeln, Öl in die Pfanne, Knoblauch hacken… Moment mal, haben die Zwiebelwürfel die richtige Größe? Und wäre es nicht besser zuerst das Öl in die Pfanne zu geben? Noch mal von vorn. Pfanne abwaschen, Öl in die Pfanne, Zwiebeln in gleichmäßige, kleine Würfel schneiden… Oder doch lieber in feine Streifen? Streifen sehen bestimmt besser aus. Also weg mit den Würfeln, neue Zwiebel her und in feine Streifen schneiden… Aber gleich groß sind die Streifen nicht. In der Mitte wird die Zwiebel größer und damit auch die Streifen… Das klingt nach Arbeitsverschwendung, oder? 

Ein paar Sätze zu schreiben, um sofort den inneren Kritiker anzuschmeißen und sie zu löschen oder über ein und demselben Satz minutenlang zu brüten, bevor Du weißt, ob Du ihn verwenden willst, ist genauso Verschwendung. Und oft genug wiederholt. Kannst Du Dich damit so verrückt machen, dass Du aus den Augen verlierst, worum es eigentlich geht und Dich unnötig blockierst. 

Testest du eine neue Soße? Dann bringe sie zumindest zu dem Punkt, an dem es lohnt, sie zu probieren. Magst Du keine Tomaten, ist die Größe der Zwiebelwürfel egal. Und vielleicht stellen sich kleine Fehler in der Zubereitung, im Nachhinein als spannende Variation heraus.

Was funktioniert: Gute Gerichte zubereiten

Willst Du lecker kochen, stelle sicher, dass Deine Hände frei sind und Du weißt, woran Du arbeitest. So beugst Du unnötigen Blockaden vor, bereitest glücklich Lieblingsgerichte und freust Dich währenddessen schon aufs nächste Mal.

Mit positiven Zielen, Werten, Absichten und Handlungen bringst Du sämtliche Stimmen an einen Tisch: den fröhliche Clown, das gruselige Gespenst und sogar den Mann mit Messer und hochrotem Kopf. Sei nett zu ihnen. Sei nett zu Dir, denn Du gibst Dein Bestes. 

Sollten sich dennoch Konflikte einschleichen, höre zu, fokussiere Dich auf positive Absichten und enttarne die Beteiligten als Freunde. Dann lade sie zu einem guten Essen ein. Du weißt, wie Du es zubereitest.

Gutes Gelingen und Bon Appetit.