Investitionsfehler & das hippe Hockerbusiness

Du sitzt als Investor bei Shark Tank. Die Fahrstuhltür springt auf. Zwei hippe Gründer strahlen dich an. 

Nr. 1: „Hi Sharks, wir entwickeln eine revolutionäre Generation von Barhockern.“ 

Nr. 2: „Oh yes, Barhocker.“ Er zwinkert dir zu. „Eins der Beine, wir nennen es das Hauptbein, ist massiv. Mahagoni. Handgeölt. Goldene Intarsien.“

Nr.1: „Um Kosten zu sparen, nehmen wir das zweite Bein aus dem Baumarkt. Smart.“ Zufrieden streicht er über seinen Bart. 

Du: „Und das dritte?“ 

Nr. 1: „Ähm, das wird sich schon ergeben.“ 

Nr. 2: „Da improvisieren die Käufer. Freestyle.“

Die Beiden bekämen keinen Cent von dir, oder? 

Die Fahrstuhltür öffnet sich erneut. Hinaus steigt ein Bildungspolitiker. 

Er: „Wir bereiten jungen Menschen auf die Welt von morgen vor.“ 

Du: „Wie?“ 

Er: „Wir können drei Bereiche ausbilden: Kognition, Körper und Psyche.“ Er zupft seine Krawatte zurecht. „Wir setzen auf kognitives Training: lesen, schreiben, auswendiglernen. Textanalyse, Binomische Formeln, Vektorrechnung. Zusätzlich Sportunterricht.“

Du: „Und psychische Kompetenzen?“ 

Er: „Die werden sich schon ergeben…“

Unser Lebensstandard ist hoch: Im sitzbeheizten Auto von A nach B, Waren vom anderen Ende der Welt bestellen, Essenslieferungen auf Knopfdruck. Gleichzeitig steigen Unzufriedenheiten, Einsamkeit, Stress und Leistungsdruck. 

25% der Menschen leiden mindestens einmal im Leben unter Angststörungen. Burnout-Diagnosen haben sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht. Psychische Erkrankungen sind die dritthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. 2018 waren 30,1% der Beschäftigten aufgrund einer psychischen Erkrankung ambulant in Behandlung und über 58.000 Menschen sind an ihren Folgen gestorben. 

Unsere Vorfahren hatten Angst vor Raubtieren und Kälte. Wir haben Angst nicht genug zu erreichen oder nichts wert zu sein. Früher dominierten körperliche Gefahren, heute emotionale. 

Gegen emotionale Bedrohungen helfen emotionale Kompetenzen – Kompetenzen, die unsere Gesellschaft systematisch vernachlässigt: Kognitives Training gibt es in Schule, Studium und Ausbildung. Körperliches wird im Handwerk und in Sportvereinen gelehrt. Und Emotionales? Bei großen Problemen gibt es therapeutische Hilfe. Vorher wenig. 

Ein Hocker bricht zusammen, wenn eins der Beine nachgibt. Ein guter Grund, das schwächste zu stärken. Menschen fallen, wenn ihre Fähigkeiten den Anforderungen nicht standhalten…

Du bist erwachsen. Inzwischen sitzt du nicht mehr auf der Schulbank, sondern auf der Seite der Investoren. Heute kannst du dich umsehen, Ideen in dein Leben einladen und entscheiden, worin du Zeit und Energie investierst. 

Steck nicht alles in deinen Verstand. Stärke auch Kompetenzen, die dich stabilisieren und stützen. Fertigkeiten, die verhindern, dass du mit den Hintern auf dem Boden landest. Bau eine tragfähige Basis und darauf ein großartiges Leben.