Backe, backe… du bist blöd

Viele Prozesse bestehen aus simplen Schritten. Du willst ein Buch schreiben? Überleg, was du schreiben willst und schreib. Dir ist danach, einen Kuchen zu backen? Such ein Rezept. Mische die Zutaten und schieb sie in den Ofen. Du wünscht ein Sixpack? Beweg dich mehr. Iss weniger, als du verbrauchst. Und lass das mit dem Kuchen sein. 

Kompliziert wird es, wenn du dein Ziel und den Prozess in Dauerschleife hinterfragst: 

  • Soll ich das wirklich? 
  • Darf ich das? 
  • Habe ich mir das verdient? 
  • Bin ich gut genug?

Gibt es etwas, das du dir vorgenommen, aber dich nicht getraut hast anzugehen? Wahrscheinlich kennst du dieses Muster: Du verspürst einen Wunsch. Du malst dir aus, wie schön es wäre. Dann werden innere Bilder wach. Erinnerungen an vergangene Erlebnisse. Vorstellungen, wie es wäre zu scheitern. Und je mehr Aufmerksamkeit du ihnen widmest, desto größer werden die Fragen, Zweifel und Ängste. 

Zweifel sind produktiv, wenn Sie das Ziel oder den Weg dorthin hinterfragen. 

Als Kind war ich fasziniert von Feuer. Am Morgen nach Silvester ging ich raus und fand eine dieser Bienen, die sich funkensprühend im Kreis drehen. Bis auf einen fehlenden Flügel und die abgerissene Zündschnur war sie wie neu. Stolz nahm ich sie nach Hause, schloss ich meine Zimmertür und legte sie in ein brennendes Teelicht. Nichts geschah, bis meine Mutter hineinkam. 

Drohen große, nachhaltige Konsequenzen, lohnt es sich dreimal nachzudenken. 

Gewohnheitsmäßige Zweifel sind allerdings unproduktiv, besonders wenn die Folgen unbedeutend, kurzzeitig und reversibel sind. Dennoch schleichen sie sich in Prozesse ein:

Butter, Zucker und Ei schaumig schlagen. 

Weißt du noch, als du damals gebacken hast? Deiner Mama hats nicht geschmeckt…

Mehl hineinsieben

Hättest du dich ans Familienrezept gehalten, wäre das nicht passiert…

und unterheben. 

oder vielleicht doch… Weißt du noch, wie du mal was ganz Einfaches versucht hast und kläglich gescheitert bist?

Die Masse in eine Form füllen und bei 170 Grad backen. 

Du Versager.

Den Kuchen abkühlen lassen und Sahne schlagen.

Wozu bäckst du eigentlich? Deinen Kuchen will bestimmt niemand essen.

Erdbeeren waschen, zupfen 

Am Ende ist deiner der Einzige, der übrig bleibt… Und dann gibt’s diese mitleidigen Blicke… 

und dekorativ verteilen

Warum gehst du überhaupt hin? Dich würde niemand vermissen… 

Unsinnig, solche Gedanken zu haben, wenn es um Kuchen geht, oder? Und wie ist es, wenn du an eine Aufgabe denkst, die vor dir herschiebst, weil du dich nicht traust? Wie klingt es in deinem Kopf, wenn du dir Gedanken darüber machst, was Andere denken? Was stellst du dir vor? Was sagst du zu dir selbst?

Schleichen sich persönliche Themen in Aufgaben ein, eröffnen sie einen Nebenschauplatz. Plötzlich geht nicht nur um die Sache, sondern zusätzlich um dich. 

Versteh mich nicht falsch. Deine persönlichen Themen sind wichtig – vielleicht wichtiger, als das, was du gerade tust. Aber während du an einer Aufgabe sitzt, ist kein günstiger Moment, dich mit dir auseinanderzusetzen. Beides auseinanderzuhalten ist produktiver. 

Stell dir vor, ein Kuchenrezept läse sich so:

Eier, Zucker und Butter schaumig schlagen. 

Klär die Beziehung zu deiner Mutter. 

Mehl untersieben. 

Und deine Selbstwertprobleme. 

Dir wäre sofort klar, dass der Kuchen und deine persönlichen Themen zwei getrennte Themen sind. Vielleicht ist es bei dem, was du vor dir herschiebst, genauso.

Mach Aufgaben nicht persönlicher, als sie sind und kümmer dich um deine Themen – beides zum richtigen Zeitpunkt.